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Myna
 Decisions and emotions - der ständige...
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Manchmal
28. July 2010, 22:43, Myna

Manchmal habe ich Lust alles hinzuwerfen.

Meinem Chef eine Karte schreiben "Ich kündige, machs gut"

Meine Freizeit neu zu sortieren, Abschied zu nehmen von Dingen, die mir nicht gefallen und die ich trotzdem mitmache.

Meine Wohung zu verlassen und mir einfach eine Neue zu suchen.

Einfach von vorn anfangen. Alles neu, alles frisch. Bestimmt wäre das überzogen. Bestimmt wäre es total unvernünftig, vielleicht sogar leichtsinnig.

Aber leichtsinnig? Das hört sich doch eigentlich ganz gut an. Von leichten Sinnen, einfach mal nicht so viel nachdenken. Sich keine Sorgen machen, ein Risiko eingehen, ohne das Risiko zu fürchten.

Was für eine schöne Vorstellung. Aber was ist es nur, dass mich solche Gedanken denken lässt? Ich kann es nicht benennen. Eine grundsätzliche Unzufriedenheit? Ja, das könnte gut sein. Die Angst vor dem Beständigen begleitet mich ironischer weise sehr beständig. Schließlich könnte ich ja Ablehnung erfahren. Oder noch schlimmer, einfach fehlende Anerkennung.

Ja, das Leben ist schon schwer. Und das Selbstmitleid erst. Aber das Schwerste für mich ist es, in diesem Nebel zu sein. Der Nebel, der meine wahren Gefühle vor mir verbirgt, der Nebel, der mich von mir selbst auf Abstand hält. Der Nebel, der mich ständig im Dunklen lässt.

Da ich Optimist bin, gehe ich einfach den Weg, der sich wie geradeaus anfühlt. Mal sehen, wo er mich hinführt.
Verdammt, es ändert einen eben doch
6. June 2010, 18:53, Myna
Ich erinnere mich noch sehr gut, wie es war, als ich eine Sehnerventzündung hatte, die im Krankenhaus behandelt wurde. Es war noch nichts bekannt, nicht klar, dass ich MS habe. Ich wurde von der Augenklinik in die Neurologie verlegt, in ein großartiges 4-Bett-Zimmer mit gruseligen Mitbewohnerinnen. Dort wurde auch meine Lumbalpunktion vorgenommen. Mir ging es nicht sonderlich schlecht, ich hielt alles für normale Untersuchungen und hatte keine große Angst vor irgendwas. Gut, die Punktion war wirklich nicht angenehm, aber die Ärzte hielten sie für notwendig, also arbeitete ich ihnen zu.

Wenige Tage später wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen. Ich dachte, ich hätte jetzt alles hinter mir, schließlich konnte ich wieder halbwegs normal sehen. Ich wurde gebeten zu einem Nachgespräch ins Krankenhaus zu kommen. Als ich dort eintraf, stellte sich mir eine junge, dynamische Ärztin vor, die mir mitteilte, dass aufgrund positiver Banden des Liquors herausgefunden wurde, dass ich eine chronische Entzündung des ZNS hätte. Ich sass da und lächelte sie an, wie es meine Art ist. Ich konnte genau nichts damit anfangen, was sie mir sagte. Was sollte das auch bedeuten? Ich fragte also freundlich, was das bedeuten würde? Woraufhin sie mir erklärte, das ZNS wäre das zentrale Nervensystem. Von MS sprachen wir nicht. Sie bat mich, mich an einen Neurologen zur weiteren Untersuchung zu wenden. Und dann wurde sie etwas persönlicher und bat mich, ich möge meine positive Art unbedingt behalten. Dies hat mich damals verwundert, weil ich ja nichts erwartete.

Heute sehe ich zurück (es sind rund 6 Jahre) und stelle fest, dass ich mich verdammt nochmal doch verändert habe. Als ich dann später wußte, es ist MS, mich informiert habe und mit den ganzen üblichen Dingen zu kämpfen hatte, war immer noch alles in Ordnung. Doch heute hat es mich ein wenig eingeholt. Ich bin nicht mehr ganz so locker. Die Last alles zu ertragen, ist einfach gewachsen. Ich konnte mir meine naiv-schützende und optimistische Einstellung nur teilweise erhalten. Verdammt!

Ich entschliesse mich in diesem Moment zu versuchen, da wieder anzuknüpfen. Keine zu großen Sorgen um die Zukunft, kein "ich muss meinen Job behalten, weil ich ja nicht weiß, wie es mit MS und einem anderen wird". Einfach Leben.

Verdammt nochmal, ich versuche es einfach!
Es passt gerade nicht...
21. January 2010, 00:12, Myna
Wie schön es wäre, manchmal verhandeln zu können...


Anruf von meiner Spritzschwester:

Bitte kommen Sie doch zur erneuten Blutuntersuchung. Ihre weißen Blutkörpchen sind auffällig, Sie haben irgendwo eine Entzündung.

Ich möchte sagen, es passt gerade nicht. Haben Sie vielleicht einen anderen Zeitpunkt zur Auswahl? Ich bin gerade beruflich und privat sehr stark eingebunden. Können wir das "krank sein" verschieben auf sagen wir 2055? Das wäre super!
MS kommunizieren
16. January 2010, 01:54, Myna
Grundsätzlich habe ich heute kein Problem mehr damit zu sagen...

ich hab MS.

Aber die Art und Weise, der Augenblick in dem man es sagt. Es bleibt ein komisches Gefühl. Der Zeitpunkt muss weise gewählt sein, denn ansonsten erreicht man nicht, was man eigentlich wollte.

Was ich damit sagen will ist in 97% der Fälle ganz nüchtern folgendes:

Ich habe MS. Das ist kein Problem, aber seid nicht überrascht, wenn ich irgendetwas mal nicht kann, nicht probieren will oder körperlich komisch bin.

Dann gibt es da noch die 3% der Fälle in denen ich tatsächlich eher emotional folgendes meine:

Ich habe MS. Es ist grauenvoll. Bitte umarme und stärke mich.

Leider verstehen viele Menschen eher die zweite Bedeutung, wenn man die erste meint. Und das möchte ich dann garnicht. Ich möchte keine komischen Blicke, die von Mitleid über Unverständnis bis zu Ablehnung führen. Ich möchte doch nur vorbeugen, um nicht in einer etwaig merkwürdigen Situation mich akut erklären zu müssen. Es ist garnicht so einfach, auch wenn es so klingt. Ein Beispiel:

Ich bin seit ein paar Monaten in einer Basketballfrauen-gruppe. Wir trainieren einmal die Woche. Ich habe meinem Trainer per Mail anfangs erzählt, dass ich MS habe. Ich weiß nicht, ob er es wirklich verstanden/mir zugeordnet hat.

Eigentlich möchte ich gern, dass alle wissen, dass ich MS habe. Aber wann soll ich es sagen? In der Umkleidekabine "Hey, hört mal alle her. Ich hab MS. Ich wollts nur sagen und jetzt bitte weitermachen"? Ich bin zwar wirklich eher nicht schüchtern, aber ich möchte garnicht so viel Aufmerksamkeit deswegen.

Ich weiß einfach nicht, ob oder wann ich etwas dazu sagen soll.

Oder ist es vielleicht auch doch ein unterbewußter Mitleidserhaschender Drang? Schließlich wäre es nicht zwingend notwendig darüber zu informieren. Auf der anderen Seite (ich möchte diesbezüglich nicht über Details sprechen) ist neulich nach dem Training etwas passiert, bei dem ich vermute, dass es mit der MS zusammenhängt und jetzt hab ich riesige Angst, mich vor der Gruppe irgendwann zu blamieren, wenn es mal während des Trainings passieren sollte.

Genau diese Gedanken habe ich meistens, bevor ich Leuten von der MS erzähle. Auf der Arbeit wissen es meine Chefs und die engsten Kollegen. Einfach damit Verständnis für meine monatlichen Arzttermine usw. herrscht. Ansonsten der engste Freundeskreis und das wars.

Von mir aus können es alle wissen, aber die Zeitpunkte des Erzählens, die würde ich mir gern sparen.


Freunde
16. January 2010, 01:42, Myna
Wie definiert man Freunde?
Menschen, die immer da sind?
Menschen, die man liebt?
Menschen, mit denen man alles teilt?

Wie ist das, wenn eine sehr gute Freundin keinen Platz für meine Probleme hat? Auf der einen Seite weiß ich genau, sie hat ihr eigenes Leben. Ich weiß auch was sie zur Zeit beschäftigt und ich verstehe, dass sie im Stress ist. Vermutlich würde sie sich ein bißchen zeit für mich nehmen, wenn ich sie anrufen würde jetzt gerade. Doch ich meine eher so generell.

Bin ich egoistisch, wenn ich verletzt bin, weil sie keinen Platz für mich hat? Weil mir der Platz, den sie mir zuordnet zu klein ist? Ich verlange gar nicht so viel und vielleicht ist es trotzdem zu viel. Ich kann nicht unterscheiden zwischen dem normalen Wunsch unter Freundinnen die Lasten der anderen mitzutragen und dem überzogenen Wunsch nach Austausch. Vielleicht bin ich ja auch einfach zu anspruchsvoll??

Mein Gefühl sagt mir, dass ich wirklich nicht zu viel verlange. Aber wenn etwas ist, merke ich in letzter zeit immer sofort, dass sie eigentlich schon nicht mehr wirklich aufnahmefähig ist. Denn sie ist zum Einen mit ihrem Freund beschäftigt und zum anderen hat sie noch eine sehr gute freundin, die fast den ganzen Rest an Aufmerksamkeit beansprucht.

Nichtsdestotrotz haben wir uns sehr lieb. Was soll ich tun? Belasse ich es beim IST-Zustand, der mir eigentlich nicht reicht? Spreche ich sie darauf an, obwohl ich weiß, dass es ihr zu viel wäre? Wohl besser nicht. Ich kann mir vorstellen, dass unsere Freundschaft auf Dauer dann eher eine Bekanntschaft wird.

To be continued...
Freitag Nacht
16. January 2010, 01:25, Myna
Es ist Freitag Nacht und ich beginne einen Blog auf einer Seite, die ich soeben gefunden habe. Eigentlich war ich auf der Suche nach einem Chat oder nach irgendetwas, wo ich frei meine Gefühle äußern kann. Ich vermute, Menschen, die mit MS zu tun haben, können mich besser verstehen als andere.

Warum schreibe ich nun ausgerechnet heute?

Weil ich einsam bin. Ich bin so verdammt einsam, dass es weh tut. Ja, ich hab Freunde und ich könnte sie sicherlich anrufen und sagen "hey, mir gehts nicht gut", aber es wäre nicht richtig, nicht für mich. Natürlich würden sie mir zuhören und mich trösten. Aber meine besten Freunde haben genug mit ihren eigenen Leben zu tun. Der Alltag ist gefüllt. Es ist kein Platz für mich. Ich sehne mich so sehr nach jemandem, den es wirklich ernsthaft interessiert, wie es mir geht, der teil hat an meinem Leben. An meiner Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Aber ich bin allein. Allein mit meinem Alltag. Und dieser hat mich fest im Griff. Die MS erinnert mich beinahe täglich daran, dass sie mitspielen möchte. Im Moment noch stärker als sonst.

Tausend Fragen sind in meinem Kopf, die niemand beantworten kann. Niemand sagt mir zum Beispiel wie sehr ich mich in meinem neuen Sportverein verausgaben darf und ab wann die Belastung für meinen Körper zu groß wird. Niemand hält mich fest, wenn ich verzweifle, so wie jetzt. Weil niemand mir sagen kann, wie meine Zukunft aussieht. Werde ich jemals eine Beziehung führen? Findet mich überhaupt jemand toll? Und findet mich derjenige wenn dann auch noch mit MS toll? Werde ich jemals hören, dass ein Mann mich liebt?

Ich bin nicht sonderlich zimperlich. Ich lebe auch gern allein. Ich kann mich selbst sehr gut beschäftigen und weiß die vorteile des allein lebens meist zu schätzen. Mein Leben ist ge- und erfüllt. Ich habe selbst kaum zeit neben arbeit, studium, hobbies, freunden, familie, usw. Und doch möchte ich teilen, weil meine Last manchmal einfach zu schwer ist. So wie heute.


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